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EZB Leitzinserhöhung auf 4,25 Prozent

03.07.2008

Wie von den meisten Marktteilnehmern und Experten erwartet, verkündete die EZB am 03.07.2008 um 13:45 Uhr eine Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent. Grund für diesen Zinsentscheid ist die zuletzt stark angestiegene Inflation in Europa, welche für den Monat Juni einen Wert von vier Prozent angenommen hatte. Dennoch fiel der EZB um ihren Präsidenten Jean-Claude Trichet diese Entscheidung sicher nicht leicht, denn die europäischen Währungshüter befinden sich derzeit in einer schwierigen Lage. Da stark angestiegene Inflation ist vor allem auf die Sektoren Energie und Agrarrohstoffe, also Lebensmittel, zurückzuführen – andere Konsumgüter haben sich deutlich geringer verteuert. Genau auf diese Rohstoffe hat eine Leitzinserhöhung jedoch nur eher geringe Auswirkungen. Um nun die Preisentwicklung im Ganzen spürbar zu senken, wäre eigentlich eine deutlich stärkere Zinsanhebung erforderlich, dies ist jedoch praktisch nicht möglich. Grund hierfür ist, dass eine Anhebung der Leitzinsen immer auch eine dämpfende Wirkung auf das Wirtschaftswachstum hat, doch eben dieses schwächelt ohnehin bereits seit einigen Monaten.

Eine solche Konstellation ist sehr selten und nur schwer zu bewältigen. Normalerweise muss die Europäische Zentralbank, ebenso wie alle Notenbanken der Welt, immer dann eingreifen, wenn das Wirtschaftswachstum besonders stark ausfällt – in einem solchen Fall sorgt eine Zinserhöhung gleich auf zweierlei Weise: Zum einen wird die Inflation begrenzt, zum anderen auch das Wirtschaftswachstum gedämpft und somit eine Überhitzung der Märkte vermieden. Nun aber kann von Überhitzung keinesfalls die Rede sein, der im Vergleich zu anderen Wirtschaftsräumen ohnehin nicht übermäßig starke Wirtschaftswachstum von zwei Prozent ist bereits wieder in weite Ferne gerückt, steht am Ende des Jahres noch eine 1 vor dem Komma, kann dies schon als Erfolg gewertet werden. In einem solchen Umfeld eine steigende Inflation zu bekämpfen ist ein heikles Spiel.

Letztendlich scheint Jean-Claude Trichet dennoch einen guten Mittelweg gefunden zu haben. Wurde er vor Bekanntgabe des Zinsentscheids noch deutlich stärker kritisiert, überwiegen nun die Stimmen die die Entscheidung der EZB unterstützen. Zum einen hat die Europäische Zentralbank im Vorfeld mit aller Wucht vor einer weiter steigenden Inflation und Zweitrundeneffekten gewarnt und bereits früh zu erkennen gegeben, die Zinsen anheben zu wollen, zum anderen ist der Zinsschritt mit 0,25 Prozent geringer ausgefallen, als von einigen Spekulanten befürchtet wurde. Obendrein hat Jean-Claude Trichet auf der nachfolgenden Pressekonferenz nochmal deutlich herausgestellt, dass weitere Zinsanhebungen bisher keinesfalls beschlossen wären und je nach Entwicklung der nächsten Monate vielleicht auch nicht nötig wären – gerade diese Aussagen wirkten sehr beruhigend auf die Aktienmärkte.

Ob diese Anhebung der Leitzinsen sich auch positiv auf die Entwicklung der Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld auswirken werden, bleibt abzuwarten. Große Sprünge sind jedoch nicht zu erwarten, haben doch mehrere Banken bereits im Vorfeld ihre Zinsen angehoben und diesen Schritt bereits vorweggenommen. Die beschwichtigenden Worte seitens des EZB-Präsidenten werden im Gegenteil wohl eher dafür sorgen dass die Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld die nächsten Monate eher konstant bleiben werden.

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